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Standardzustellung neu gedacht! Paket im Garten-Beet.

Standardzustellung neu gedacht! Paket im Garten-Beet.

Wochen-Impulse 37/19

Die Paketbranche boomt, Paketzusteller werden gesucht, wie nie zuvor, eine Ausbildung ist förderlich, sinnvoll, jedoch nicht notwendig. Die Bezahlung ist überschaubar, der Job körperlich anspruchsvoll, die Fluktation sowie der Leistungs- und Erfüllungsdruck hoch. Die kundenseitig empfundene Leistung der Zusteller reicht von gut bis sehr bescheiden. Kommt das Thema im Freudekreis auf, kann nahezu jeder ein, zwei Negativbeispiele benennen, wo Boten Pakete in den Garten oder vor die Tür abgestellt haben, frei nach dem Motto „Hauptsache abgeliefert“.

In der subjektiven, öffentlichen Wahrnehmung kommt der Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen, so die offizielle Bezeichnung des Ausbildungsberufs, tendenziell schlecht weg. Vielleicht hat es auch etwas mit unseren Vorurteilen und liebgewonnenen Denkmustern zu tun. Die Paketzusteller haben überwiegend einen Migrantionshintergrund, sprechen schlecht Deutsch und erscheinen wenig zuverlässig. Stimmt das wirklich?

„Fachkräfte für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen stellen Briefe, Päckchen oder Pakete zu. Dazu leeren sie beispielsweise Briefkästen, sortieren Sendungen, bereiten diese für den weiteren Versandweg vor und planen die Zustellfolge. Sie beraten Kunden und nehmen von ihnen Sendungen entgegen. Außerdem nehmen sie Zahlungen in Empfang, rechnen ab und dokumentieren Sendungen.“ So beschreibt die Bundesagentur für Arbeit diesen Beruf.1 Als Unwissender könnte ich die Vorstellung entwickeln, dass es sich um einen abwechslungsreichen, spannenden und verantwortungsvollen Beruf handelt. Die Paketzusteller, die den Job tatsächlich ausführen, werden möglicherweise weniger blumig über diesen sprechen und auch berichten, dass sie etliche von diesen Aufgaben nicht ausführen. Wie kommt es zu dieser Diskrepanz?

Wir haben eine nicht repräsentative Familienstudie durchgeführt, die jeder für sich mit seinen Erfahrungen fortschreiben kann. Erhebungszeitraum 2 Wochen, Anzahl der online bestellten Produkte 7, Paketdienste 3 (DHL, DPD und Hermes). Unser Testergebnis:

DHL DPD Hermes
Anzahl
Zusendungen
3 1 3
Persönlich
abgegeben
3

1
Nachricht im
Briefkasten

0 0

Paket beim
Nachbarn abgegeben

1

Paket vor die
Haustür gelegt

1
Paket halb in den
Briefkasten geschoben

1
Paketbote war
freundlich, höflich
+ ±

Paketbote konnte
sich gut verständigen

Beurteilung ++ ± – –

+++ sehr gut ++ gut ± befriedigend – schlecht – – sehr schlecht

„Der Vorsitzende der Gewerkschaft ver.di, Frank Bsirske, hat kriminelle Machenschaften beim Paketversand angeprangert. “In der Paketzustellbranche haben sich zum Teil mafiöse Strukturen etabliert”, sagte Bsirske den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. “Unternehmen wie Hermes engagieren Firmen, die wiederum andere Firmen beauftragen, die dann Menschen aus der Ukraine, aus Moldawien oder aus Weißrussland in die Lieferfahrzeuge setzen.”2

Das
Problem ist nicht neu. Die Sendung Report Mainz3
hat bereits am 20.06.2017 über unzumutbare Zustände für die
Mitarbeiter bei Paketdienstleistern berichtet. In einem Interview
berichtet ein Zusteller über seinen Arbeitsdruck:

O-Ton:
Wenn jemand nicht
da ist, muss man es immer beim Nachbarn versuchen. Viele Nachbarn
nehmen auch nichts mehr an, weil deren Nachbarn fast nie zuhause
sind. Das ist frustrierend. Weil wenn man die Pakete nicht
wegbekommt, hat man sie am nächsten Tag wieder im Auto. So lange,
bis man den Kunden antrifft.” Ein harter Job. Trotzdem komme er
finanziell nicht über die Runden.

O-Ton:
“Natürlich
fühle ich mich ausgebeutet. Das ist eine Sklaverei. Das ist eine
Demütigung.” Frage: Wie geht es Ihnen damit?

O-Ton:
“Es geht an die
Psyche. Mir geht’s natürlich nie gut. Ich weiß nicht, wie ich
Ende des Monats noch essen soll.”

Ich
wollte über Verantwortung und Einstellung zum Job schreiben. Bei der
Recherche zum Berufsbild und der Arbeitspraxis der Zusteller hat sich
meine Einstellung zu Art und Weise, wie die Mitarbeiter ihre
Tätigkeit ausfüllen ein Stück weit relativiert. Wenn ich einen Job
annehme habe ich mich im Vorfeld über diesen informiert und weiß,
was auf mich zukommt. Ist das auch bei den Arbeitskräften so, die
die Pakete zustellen? Können sie das überhaupt?

Einen Job, den ich angenommen habe, sollte ich mit der richtigen Einstellung gut machen oder ihn nicht annehmen. Eine andere Haltung kommt für mich nicht in Frage. Von einem temporären Tief, was jeder mal ein, zwei Tage hat, spreche ich nicht. Die grundlegende Haltung zu meiner Arbeit und der Art und Weise wie ich mit den Anforderungen umgehe bestimme ich selber. Hieraus resultiert: Ich habe mich für diesen schlecht bezahlten, harten und belastenden Job entschieden. Dennoch mache ich ihn bestmöglich. Meine Entscheidung geht auch einher mit meiner professionellen Einstellung für die Tätigkeit.

Ist es fair, gerecht oder überhaupt möglich, diese Einstellung, dieses Bewußtsein den Paketzustellern abzuverlangen? Trotz allem Verständnis für gewisse Sachzwängen geht jeder dieser Mitarbeiter freiwillig einen Arbeitsvertrag ein, tauscht damit seine Zeit und Arbeitskraft gegen Lohn und verpflichtet sich die Aufgaben nach Vorgaben zu erledigen. Ähnliche Vertragsverhältnisse wird es auch in den Heimatländern der Zusteller geben. Vor diesem Hintergrund haben sie eine Verantwortung übernommen und sollten auch mit einer entsprechenden positiven, kundenorientierten Einstellung den Job ausüben. Wollen sie das nicht oder können sie das nicht, ist es ihre Entscheidung sich einen anderen Job zu suchen.

Meine Einstellung zum Job bestimmt wie ich ihn ausübe (siehe auch Wochen-Impulse 36/19). Wie siehst du das?

Wundervolle
Impulse für die nächsten 7 Tage.

Bleibe
inspiriert.

Holger

Quelle Fotos: Hermes und dpd

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