Selbstwert. Selbstbild. Selbstüberschätzung.

Felix´s Impulse 97/ 2021

Manchmal sind Gespräche von Dritten interessant mit anzuhören. Unfreiwillig konnte ich eines verfolgen, was ein Pärchens in einem Beach-Club führte. Unsere Liegestühle standen keine zwei Meter auseinander und der junge Mann sprach laut und sorgte so für meine Unterhaltung. Es ging um seinen Job und seine Leistungen. Die stolzgeschwellte Brust war nicht zu überhören.

Beide geschätzt Anfang Dreißig, möglicherweise noch nicht lange zusammen. Zumindest war das mein Eindruck auf Grund der Art und Weise, wie sich die beiden austauschten. Er gelernter Bankkaufmann mit Mathe-Studium (ob abgeschlossen wurde nicht deutlich), seit 8 Jahren in einem namhaften Versicherungskonzern tätig. Nach seinen Worten arbeitet er in drei Bereichen, obwohl nur für einen zuständig. Das macht ihn stolz und wichtig, aber er bekommt halt nicht das dreifache Gehalt, was für ihn Grund zum Meckern war.

Auf eine interne Stelle in der „Orga“ hat er sich, ebenso wie ein befreundeter Kollege beworben. Genommen wurde allerdings ein Externer. „Der kennt sich doch nicht mit den Systemen aus. Der muss sich erst einarbeiten. Ich hätte das alles sofort umsetzen können. Sein Gehalt hätte ich jetzt gerne, bei meinen drei Jobs auch verdient. Hätten „die“ den Kollegen genommen, hätte ich das verstanden – der ist gut.“

In seinen Worten liegt Unverständnis, Enttäuschung und ein Anflug von Selbstüberschätzung. Entweder ist er so gut, wie er es seiner Freundin erzählt, dann hat der Arbeitgeber ihm möglicherweise sehr bewusst diese unterschiedlichen Aufgaben übertragen, weil er ihm das Pensum zutraut. Damit ist auch deutlich, dass er aus Unternehmenssicht nicht den anderen Job bekommen kann. Es könnte aber auch sein, dass ein Fall von Selbstüberschätzung vorliegt und die handelnden Personen ihm die neue Aufgabe schlicht nicht zutrauen.

Aus der Ferne ist das natürlich nicht zu beurteilen. Es scheint allerdings so zu sein, dass weder der direkte Vorgesetzte, noch der junge Mann im Mitarbeiterjahresgespräch eine Leistungseinschätzung gegeben oder eingefordert hat. Schade. Wer nicht weiß wo er steht und wie er gesehen wird, hat keine Basis für eine valide Karriereplanung und -entwicklung. Auch beim Arbeitgeber müsste durch die interne Bewerbung die Alarmglocke angeschlagen haben. Ein motivierter, aufstrebender Mitarbeiter will mehr und ist scheinbar nicht zufrieden mit dem was er hat. Die Personalabteilung und die Führungskraft sind spätestens jetzt gefordert ein Gespräch über die berufliche Zukunft zu führen.

Ob der junge ambitionierte Mann sich mal einige Frage zu sich, seiner Position und seiner Karriere gestellt hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Gewinnbringende Denkansätze könnte für ihn die folgenden sein:

  • Warum hat ein Externer die Position erhalten? Warum nicht ich?
  • Warum schenkt man mir viel Vertrauen und überträgt mir drei anspruchsvolle Aufgaben?
  • Warum bewerbe ich mich nicht bei einem anderen Arbeitgeber?
  • Kenne ich meine Stärken, meine Kernkompetenzen, die mich einzigartig machen?
  • Ist mir bewusst, was ich außer mehr Geld wirklich will und wie mein beruflicher Weg aussehen soll?

Mitunter ist ein Blick hinter die Kulissen sehr hilfreich. Durch die Distanz zu den Akteuren werden schnell Dinge sichtbar, die den Involvierten durch Unternehmens- und Fachblindheit verborgen bleiben.

Weist du wo du stehst? Weiß dein Chef wo du hin möchtest? Weist du als Führungskraft wo deine Mitarbeiter stehen bzw. hin möchten? Brauchst hierzu Impulse, sprich mich an.

Wundervolle Impulse für die nächste Woche.

Bleibe inspiriert.

Holger

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