+49. 221. 399 399 0
news @ der-impulsgeber. org

Neuanfang – für Herz & Seele – Teil 2.

Neuanfang – für Herz & Seele – Teil 2.

Wochen-Impulse 25/2019

Im Wochen-Impuls “Gefangen oder frei im Job? Teil 1” hast Du in der letzten Woche gelesen, dass auch berufliche Veränderungen abseits der gesellschaftlich normierten und für gut befundenen Pfade sehr sinnstiftend und befreiend für den Einzelnen sein können. Im heutigen Impuls geht es darum, was notwendig ist, um in Fülle zu leben, zu arbeiten und welche Stolpersteine im Weg liegen.

Alles
auf Anfang stellen, nochmals bei Null anfangen
: Zu diesem
Zeitpunkt spielt es auch keine Rolle mehr, was mein Umfeld über
meinen Veränderungsdrang denkt und wie der Markt derzeit aussieht.
An diesem Punkt spüre ich eine tiefe innere Zufriedenheit, die
gepaart ist mit einer unerschöpflichen Energie und einem unbändigen
Antrieb. Diese positive Grundstimmung verleiht mir quasi Flügel,
lässt mich alles mit einer wundervollen Leichtigkeit erledigen. In
dieser Phase ist es wichtig nicht die Bodenhaftung zu verlieren und
ein paar grundlegende Fragen zu klären, u.a.: „Was bin ich bereit
zu tun, um meinen Traum zu leben?“ Der Wunsch alleine reicht nicht
aus. Aus dem Wollen muss das Tun werden, sonst bleibt mein Wunsch das
was er bisher auch war, ein Traum.

Der
bewusste Verzicht auf Geld, Karriere und Ansehen wird in unserer
leistungs- und wohlstandsorientierten Gesellschaft immer noch mit
großem Befremden wahrgenommen. Möchte ein Akademiker, eine
Führungskraft oder ein erfolgreicher Mitarbeiter seiner Karriere
eine neue Richtung geben, die eher unüblich ist und damit einen
Bruch des klassischen Berufsweges darstellt, wird er schnell als
„Spinner“ oder „krank“ abgestempelt.

„Einer,
der sich von solchen Konventionen gelöst hat, ist Markus Studer. Der
Schweizer ist Lieblingsgast zahlreicher Talkshows. Mit wohligem
Gruseln können die Zuschauer auf ihrem Sofa sitzen und dem Arzt
lauschen, der freiwillig Fernfahrer wurde. Wie sein früheres
Einkommen schlagartig auf weniger als ein Zehntel zusammengeschnurrt
ist, wie er stundenlang auf der rechten Spur durch Europa kriecht und
sich schließlich an einer lärmenden Autobahnraststätte zum
Schlafen auf die Pritsche hinter seinem Fahrersitz haut.

In
seinem früheren Leben war Markus Studer einer der führenden
Herzspezialisten Europas, Leiter einer renommierten Privatklinik in
Zürich. Eines Tages beschloss er, nun müsse Schluss sein mit den
Herzen. “Ich wollte auf dem Höhepunkt meiner Karriere
aufhören.” Zuerst nahm der Chirurg an seinen operationsfreien
Tagen Lkw-Fahrstunden. Dann zog er sich ganz aus dem OP zurück und
fuhr bei anderen Truckern mit. “Ich wollte das Leben auf der
Straße erst mal ausprobieren.” Nach einem halben Jahr kaufte er
sich von seinen Ersparnissen eine Zugmaschine. Blutrot, 460 PS, mit
Turbolader und verchromten Dachscheinwerfern. Kostenpunkt: 100.000
Euro. Auch die muss man erst mal haben. Der Vater von drei Kindern
erfüllte sich damit einen Kindheitstraum und genießt heute die neue
Freiheit auf dem Fahrersitz. Manchmal nimmt er ehemalige Kollegen aus
dem Spital mit. “Damals haben sie amüsiert die Augenbraue
hochgezogen, heute freuen sie sich wie kleine Kinder, wenn sie mit
mir quer durch Europa rollen dürfen.”1

Jeder
Neuanfang bedeutet auch Angst vor dem Scheitern
, Furcht vor
Verlust, Zweifel an den eigenen Fähigkeiten, Sorge und Bangen, wie
die Familie mit der Veränderung klar kommt.

Wird
aus dem gelebten Traum ein Albtraum? Ängste, Zweifel und Furcht sind
ganz natürliche Reaktionen. Sie machen uns Risiken bewusst und
sensibilisieren für wichtige Fragen. Eine ehrliche
Selbsteinschätzung ist während des gesamten Veränderungsprozesses
ebenso unabdingbar wie eine Chancen-Risiken-Abwägung. Ein “dann
habe ich es wenigstens versucht” ist legitim, wenn ich mich
selbstreflektiert, abwägend entschieden habe. Denn nichts ist
schlimmer als sich selber für nicht genutze Chancen auch noch Jahre
später Vorwürfe zu machen.

Im
Job dauerhaft nicht zufrieden zu sein, weil die Arbeitsatmosphäre
bedrückend und der Chef ein Sklaventreiber ist, es keine
Gestaltungsmöglichkeiten und Herausforderungen gibt, kann krank
machen. Das zu erkennen, ist der erste Schritt zu einer nachhaltigen
Veränderung.

“Ein
berufliches ‚Nix‘ zu sein ist wohl das Schlimmste, was uns in
unserem Arbeitsleben passieren kann”, sagt Professor Johannes
Siegrist, Leiter des Instituts für Medizinische Soziologie am
Universitätsklinikum Düsseldorf. “Der Job definiert große
Teile unserer Identität.”2
Chancen für einen Veränderungsprozess wahrzunehmen und sie zu
nutzen, macht langfristig bewiesener maßen gesund, glücklich und
zufrieden, auch, weil ich mit dem Ungewissen gut umgehen kann und ein
Scheitern nicht im Plan vorgesehen ist.

In
den vielen Jahren der Karriereberatung habe ich immer wieder
festgestellt, dass meine Kunden unterschiedliche Phasen durchlaufen,
bevor sie für sich Klarheit und damit auch die Entschlußkraft haben
ihrem Leben eine neue Richtung zu geben. Für viele war und ist es
eine Unterstützung einen erfahrenen Sparringspartner an ihrer Seite
zu haben, der Impulse zur Selbstreflektion bietet. Jede Entscheidung,
ob impulsiv oder durchdacht, ist eine Trennung vom Alten und ein Hin
zum Neuen ohne den Weg im Detail zu kennen. Dennoch kann schon dieser
Aspekt das Salz in der Lebens-Suppe sein.

Ein
geglückter Neustart ist meist kein Geniestreich
, sondern ein
langer Prozess. Er ist das Ergebnis aus intensivem Nachdenken, viel
harter Arbeit und oft auch dem einen oder anderen Kompromiss.
Belastbare Zahlen darüber, wie viele Umsteiger Erfolg haben, gibt es
nicht. “Aber die Zufriedenheit bei denjenigen, die ihr Leben
selbst in die Hand genommen haben, ist sehr groß”, weiß der
Düsseldorfer Medizinprofessor Johannes Siegrist, der den psychischen
Gesundheitszustand von Berufstätigen erforscht.“3

Lebst
Du Deinen Traum? Wie sieht Dein Leben, Dein Arbeitsleben aus?

Ich wünsche Dir wundervolle Impulse für die nächsten 7 Tage.
Bleibe inspiriert.

Holger

PS: Den Teil 1 der Wochen-Impulse kannst Du hier nochmals nachlesen.

Falls Du zufällig über diesen Impuls
gestolpert bist oder ein Mensch, der es gut mit Dir meint, ihn dir
gesendet hat, hat er vielleicht etwas bewirkt. Wenn Du wöchentlich
Impulse, immer sonntags, erhalten möchtest, trage Dich für den Impuls-Letter ein.

Quellen 1, 2, 3: www.stern.de, Jobwechsel, die Sehnsucht nach dem Neuanfang.