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Mut zur Lücke im Lebenslauf.

Mut zur Lücke im Lebenslauf.

Wochen-Impulse 55/2020

Keine Angst vor Lücken im beruflichen Werdegang. Zeiten ohne „klassische“ Arbeit sind für die Meisten Phasen der Findung und Entwicklung. Der stromlinienförmige, makelose Lebenslauf ist nur für die Unternehmer und Personaler wichtig, die in klaren Strukturen und Schablonen denken, jedoch vergessen, dass das Leben auch mal zick-zack verläuft. Wichtig ist zu den Lücken und den Entwicklungsphasen zu stehen und sie stimmig erklären zu können. Das setzt ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein sowie innere Überzeugung voraus. Beides kannst du trainieren, falls notwendig.

Was ist eine Lücke? Sematisch spricht man laut Duden von einer offenen, leeren Stelle, an der etwas fehlt (in einem zusammenhängenden Ganzen), durch die etwas unvollständig erscheint oder etwas nicht ausreichend Vorhandenes und als Mangel Empfundenes.1 Im Lebenslauf sind damit zu große zeitliche Abstände zwischen den unterschiedlichen beruflichen Engagements und/oder Fortbildungen gemeint. Diese Lücken haben den Charme des Unübersehbaren und können schnell zum Karrierekiller werden, wenn sie nicht nachvollziehbar und glaubhaft begründet werden. Bei welcher Größe der Lücke der Erklärungsnotstand beginnt ist relativ. Mehrere Monate bis hin zu einem Jahr und mehr sind für den Personaler schon ein echter Hinkucker und fordern ungefragt nach einer Erläuterung.

Karrierekiller Aus- und Entwicklungszeiten?

Die Generation, die in den 1940er und 1950er Jahren geboren wurden, hat stellenweise noch das gesamte Berufsleben bei einem, maximal zwei Arbeitgebern verbracht. Meine Generation, in den 1960er geboren, wurde auch noch so erzogen und gesellschaftlich programmiert, dass der Lebenslauf nur geradlinig und damit makellos sein muss.

Quo vadis? Weichenstellung.

In einer schnelllebigen Zeit, in der sich auch die Bedürfnisse und Ansprüche an Arbeit verändert haben, in der die nachrückende Generation viel selbstbewusster und flexibler ist, spielen starre Strukturen nicht mehr die Rolle. Das Leben ist bunt, abwechslungsreich und will erlebt, erfahren werden. Dazu zählt auch, dass nach der Schule, wenn wirtschaftlich möglich, erst einmal ein Jahr im Ausland zur persönlichen Reife und Weiterentwicklung angehängt wird. Wer eine Ausbildung oder ein Studium macht, stellt vielleicht beim Tun fest, dass der eingeschlagene Weg nicht der Richtige ist. Dann wir der Kompass des Lebens neu gestellt und eine andere Richtung eingeschlagen. Die Erkenntnis den für mich falschen Beruf gewählt zu haben ist großartig, wenn ich auch noch den Mut und die Kraft habe den für mich passenden Job zu finden. Die Zeiten, in denen der Vater oder die Familie den Kindern quasi vorgeschrieben hat, was er oder sie beruflich zu tun haben, sind glücklicherweise vorbei. Zumindest in der westlichen Welt.

Unternehmer und Personaler aus meiner Generation und älter haben auf Grund ihrer Sozialisation mehr Schwierigkeiten mit Entwicklungszeiten im CV (Curriculum Vitae) und können diesen möglicherweise nicht viel Positives abgewinnen. Warum sollte ein potentieller neuer Mitarbeiter mit einem Werdegang wie ein Schweizer Käse nicht über Skills verfügen, die dem Arbeitgeber von Nutzen sein können? Könnte es nicht sein, dass die reine subjektive Einschätzung des Entscheiders das größere Problem ist? Welche objektiven Kriterien werden entscheidungsrelevant zu Rate gezogen, wenn eine Stelle besetzt werden soll?

Natürlich kann ich den Lebenslauf intelligent gestalten, ein wenig tunen. Aber, wie weit ist es überhaupt möglich und sinnvoll? Kosmetik ist das Eine, diese auch glaubhaft in einem Gespräch verkaufen zu können, das Andere. Ich bin ein großer Freund von Wahrheit – alles andere macht für mich keinen Sinn. Eine neue Beziehung starte ich doch auch nicht auf dem Fundament von Unwahrheiten. Wenn die neue Liebe mit meinen Ecken und Kanten nicht klarkommt, ist es die Falsche. Warum also im Job nicht genauso selbstbewusst und reflektiert vorgehen? Wenn der Arbeitgeber meine Lücken nicht akzeptieren kann, ist er nicht der Richtige für mich.

In meinem Karriere- und BewerbungsratgeberBewerben ist wie Flirten. Einfach.“ habe ich den Themenkomplex „das Unternehmen muss zu mir passen“ ausführlich beschrieben. Daher an dieser Stelle nur kurz die Quintessenz zu diesem Gedankenmodell: Unter Berücksichtigung diverser Studien, die belegen, dass die überwiegende Mehrheit der Arbeitnehmer uninspiriert und freudlos arbeiten, macht es Sinn einen Arbeitgeber zu finden, der wirklich zu mir passt. Der meinen Bedürfnissen und Werten gerecht wird und meine Kompetenzen tatsächlich zu schätzen weiß.2

Mut zur Lücke.

Der Fachkräftemangel und ein verändertes Bewußtsein auf die Anforderungen der Mitarbeiter hat auch dazu geführt, dass Chefs und HR-Manager immer öfter Ihre Einstellungskriterien an vorhandenen Soft Skills ausrichten. Bewerber mit einem nicht stringenten Werdegang, die beim Arbeiten erst festgestellt haben, was ihre Berufung ist und ein, zwei Mal den Beruf gewechselt haben, sind heute durchaus bereichernde Mitarbeiter. Sie verfügen über Flexibilität, Eigenverantwortung und können über den Tellerrand hinaus schauen. Auch Menschen mit Ecken und Kanten, die sich ihr eigenständiges Denken und möglicherweise ein unbeques Hinterfragen erhalten haben, sind für ein Unternehmen Gold wert. Vorausgesetzt die Führungskraft ist stark und es versteht diese Fähigkeiten für die Unternehmensziele zu nutzen. Wer mit dem Rucksack um die Welt getrampt ist, bringt nicht nur gute Sprachkenntnisse mit, sondern hat auch einen geweiteten Blick auf die Dinge und kann mit interkultureller Kompetenz aufwarten.

Umgang mit Krankheiten.

Wer selber eine längere Zeit krank war oder ein schwer erkranktes Familienmitglied pflegen musste, braucht das weder zu tarnen noch zu beschönigen. Die Erkrankung selbst (zum Beispiel Krebs) brauchst du nicht benennen; das ist Privatsache. Wichtig ist jedoch den Zeitraum genau einzugrenzen und zu beschreiben, was war: „Auszeit aus gesundheitlichen Gründen, inzwischen vollständige Genesung und Einsatzbereitschaft“ oder „Pflege der erkrankten Mutter“. Wer eine Krebserkrankung überstanden hat, verfügt beispielsweise über Durchhaltevermögen, Ausdauer und Kraft. Alles Kompetenzen, die auch im Job gefragt sind.

Lückenbüßer, Erklärungsnot oder top Argumentation?

Jede Lücke im beruflichen Werdegang – auch bei Arbeitslosigkeit – sagt etwas über dich, deine Motivation, deine Stärken und Schwächen aus. Sei dir dessen bewußt und mache vor allem letztere durch eine Positiv-Argumentation zu einer annehmbaren Eigenschaft. Gehe im besten Fall proaktiv mit deinen Freiräumen im Lebenslauf um. Spreche sie von dir aus an – gerne auch schon im Anschreiben. Das zeugt von Reflektion und Selbstbewußtsein. „Einkerbungen und Umwege signalisieren auch: Derjenige hatte Mut, schreckt nicht vor Veränderungen zurück, konnte Erfahrungen sammeln und hat auch keine Angst vor dem Scheitern.“3 Optimal ist es, wenn du dich in dieser Zeit nachweislich beruflich auf dem aktuellen Stand gehalten hast. Dokumentiere, dass du kein Couch-Potato warst, sondern aktiv und reflektiert nach einer neuen Herausforderung gesucht und dich auch fortgebildet hast.

Im Bewerbungsgespräch ist die Tür zum Unternehmen, zum neuen Job ganz weit offen. Im Grunde mußt du nur noch durchgehen. Da du eingeladen worden bist, kann sich der Arbeitgeber vorstellen mit dir zusammenzuarbeiten. Im anderen Fall hätte er nicht um den Gesprächstermin gebeten. Verkaufe dich mit deinen Lücken selbstbewußt, authentisch und glaubhaft. Dein Umgang mit Schwächen, mit diesen Lücken und mit häufigen Veränderungen sind eine Steilvorlage und damit sicherlich Talking Point. Überzeuge deine(n) Gesprächspartner durch gute Vorbereitung und souveränen Umgang mit augenscheinlichen Unrundungen in deinem beruflichen Werdegang.

Wundervolle Impulse für die nächste Woche.

Bleibe inspiriert.

Holger

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1Quelle: Duden.de

2Quelle: Holger Lüttgen, Bewerben ist wie Flirten. Einfach., Neobooks, Berlin 2019