Mensch vor Ertrag – Unternehmertum 4.0

Felix´s Impulse 108/ 2022

Es gibt mehr als Profit-Maximierung. Der Paradigmenwechsel für unternehmerische Ziele ist keine Spinnerei von Sozis, sondern eine wachsende Realität von aufgeschlossenen Unternehmern, Führungskräften und Mitarbeitern. „Unser jetziges Wirtschaftssystem steht auf dem Kopf. Das Geld ist zum Selbst-Zweck geworden, statt ein Mittel zu sein für das, was wirklich zählt: ein gutes Leben für alle.“(Christian Felber, Autor des Buches “Gemeinwohl-Ökonomie” und Mitinitiator der Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung)

In meinen Beratungen erlebe ich es regelmäßig was mit Menschen passiert, wenn sie einen Fußtritt bekommen, weil die Unternehmensverantwortlichen mehr Profit generieren wollen und ein Werk oder Produktionsteile schließen. Neudeutsch Restrukturierung oder Umstrukturierung genannt. Je nach Persönlichkeit und Alter fallen rund ein Drittel in ein Tal der Tränen und leiden unter Verlust- sowie Existenz-Angst. Das alles „nur“, weil ein Teil der Verantwortlichen ein Wirtschaftsmodell der Profit-Maximierung für richtig erachten. Die Shareholder freut es. Auf der Strecke bleibt der Mensch – er ist halt nur menschliches Kapital. Das lässt sich verschieben.

Die Grenzen des Wachstums“ beschreibt bereits eine 1972 veröffentlichte Studie des Club of Rome zur Lage der Weltwirtschaft (Originaltitel: The Limits to Growth. A Report for the Club of Rome’s Project on the Predicament of Mankind). Die zentralen Schlussfolgerungen: „Wenn die gegenwärtige Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen unverändert anhält, werden die absoluten Wachstumsgrenzen auf der Erde im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht.“1 Leider haben auch 50 Jahre später mehrheitlich weder Arbeitnehmer, noch Arbeitgeber diesen Warnruf gehört, von dem Aurelio Peccei – einer der beiden Gründer des Club of Rome – die Hoffnung verband, „dass alle einen großen Schritt des Verstehens machten”. Zum 50-jährigen Jubiläum der ersten Denkschrift beschreiben in „Wir sind dran. Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen“ von Weizäcker und Wijkman für den Club of Rome, dass wir sofort handeln müssen, wenn wir nicht von Außen gezwungen werden wollen. Noch können wir am Steuerrad sitzen und den Weg vorgeben. Aber wie lange noch?

Seit 20 Jahren liefert die Gallup Studie nahezu identische Ergebnisse über die Zufriedenheit und Identifikation der Arbeitnehmer mit dem Arbeitgeber, respektive den Führungskräften. 15% plus/ minus geben an, dass sie im übertragenen Sinn Spaß und Freude bei der Arbeit haben. 85% machen Dienst nach Vorschrift oder haben innerlich gekündigt. Wenn der Mensch nicht im Mittelpunkt der unternehmerischen Ziele steht, verwundert dieser Dauerbrenner nicht wirklich. Ist es nicht an der Zeit einen Systemwechsel vorzunehmen?

Die Lösung habe ich bereits im Felix-Prinzip beschrieben. Liebe ist die Klammer für unser Leben. Für sich selbst, die Mitmenschen (Kollegen, Chefs, etc.) und die Umwelt. Ist dir der Begriff zu emotional, zu abstrakt oder zu privat, kannst du dich an der Gemeinwohl Ökonomie, an Purpose-Unternehmen oder am gesunden Menschenverstand orientieren. Sind der Mensch und das Gemeinwohl die vorrangigen Unternehmensziele, wird sich im Miteinander signifikant etwas ändern. Namhafte mittelständische Unternehmen beweisen tagtäglich, dass erfolgreiches unternehmerisches Wirtschaften auch „ohne“ Gewinn-Maximierung als erste Maxime funktioniert – Elobau, Vaude, Sparda Bank München, BKK ProVita oder Polarstern. Mitarbeiter, die wirklich, nicht nur auf dem Papier, wertgeschätzt und in Entscheidungen mit einbezogen werden, arbeiten automatisch produktiver. Sie sind mit Freude bei der Arbeit. Krankenstand und Fluktuation reduzieren sich auf ein Minimum. Was ist das Ergebnis? Persönlichkeitsentwicklung für den Einzelnen und Wachstum – auch monetär – für das Unternehmen. Der Gewinn kommt automatisch.

Der Mensch und das Gemeinwohl müssen im Mittelpunkt des unternehmerischen Handels stehen. Die Zeit ist reif für eine neue Blickrichtung. Empfindest du deinen Job, deine Aufgabe noch als sinnstiftend? Bist du in deinem Unternehmen bereit etwas nachhaltig zu verändern? Sprich mich an.

Veränderungen müssen von der Unternehmensspitze nicht nur angestoßen werden, sie müssen dort auch beginnen.“ (William Wiggenhorn, Amerikanischer Manager/Motorola)

Wundervolle Impulse für die nächste Woche.

Bleibe inspiriert.

Holger

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Weitere Informationen zum Thema und Quellennachweis:

1 https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Grenzen_des_Wachstums sowie https://clubofrome.de/die-grenzen-des-wachstums/