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Insolvent & abgestempelt?

Insolvent & abgestempelt?

Teil 1: Was nun? Wie geht das Leben weiter?

Volle Auftragsbücher und dennoch insolvent. Schlechte Zahlungsmoral der Kunden plus knappe Finanzdecke plus ein brummender Betrieb können dennoch zur Überschuldung führen. Gerade kleine Unternehmen, die hohe Kosten für Vorprodukte oder Baumaterialien haben sind oftmals gefährdet. Ist der Dispo mehr als ausgeschöpft und die Bank nicht mehr geneigt noch einen weiteren Kredit zu gewähren, kann die Insolvenz die einzige verantwortliche Lösung sein.

Ist das Unternehmen eine Einzel- oder Personengesellschaft haften der oder die Gesellschafter mit ihrem Privatvermögen. Auch bei einer Kapitalgesellschaft kann es den Geschäftsführer persönlich treffen, wenn er selbstschuldnerisch für einen Kredit gebürgt hat. Die Konsequenz kann nach der Insolvenz des Unternehmens auch die Verbraucherinsolvenz des oder der Geschäftsführer sein.

Was nun? Wie geht das Leben jetzt weiter? Geht es weiter? Ja, es geht – mit vielen tiefen Einschnitten. Vor allem bei der Psyche, dem Selbstwert und den Sozialkontakten.

Mag die Unternehmensinsolvenz das Ego und das Selbstbewusstsein des Unternehmers ankratzen sowie seine öffentliche Wahrnehmung einen Lackschaden mit sich bringen, so kann es durchaus sein, dass der oder die Inhaber mit einem wirtschaftlichen blauen Auge davonkommen.

Bei der Verbraucherinsolvenz kommt der Betroffene nicht mit einem blauen Auge davon. Gefühlt ist der gesamte Körper ein Sammelsurium von Hämatomen. Erst kommt das Unverständnis, einhergehend mit der Nichtakzeptanz der Situation. Danach beginnt die Schuldsuche – am einfachsten im Außen. Es kommt die Zeit der Dämmerung, dass die Schuld bei einem selber liegt, aber im Außen die Bewertung der eigenen Person eine ungute Veränderung nimmt. Die Psyche leidet an der sich zunehmenden Manifestierung der Gesamtsituation. Die Jungs aus dem Golf- oder Tennisclub, mit denen du mehrmals die Woche unterwegs warst und Bälle gekloppt hast, sind an deiner Seite und rufen dich nach wie vor an. Um deine Situation wissend laden sie dich nun immer zum Essen und auf ein, zwei Kaltgetränke ein. Am Anfang ist das noch in Ordnung, wird jedoch zunehmend zur Belastung für dich. Annehmen von Einladung will halt auch gelernt sein.

Die Clubmitgliedschaft hast du schon gekündigt, alle anderen Kostenblöcke auf den Prüfstand gestellt. Alles was direkt kündbar ist, hast du gekündigt. Du merkst, es geht auch mit weniger, in Anlehnung an den aktuellen Song von Silbermond, „Leichtes Gepäck“.

Es kommt die Zeit des Scheins, statt des Seins. Du versuchst nach Außen die Fassaden zu wahren. Erzählst nichts von deiner Insolvenz. Offiziell orientierst du dich beruflich um. Der Mangel an Geld, der für dich ungewohnt ist, nagt an deinem Selbstwertgefühl und deinen Selbstbewusstsein. Dieser Mangel belastet deine Gesundheit, deine Seele schreit schon förmlich vor Schmerz und oben drauf reduzieren sich deine Sozialkontakte. Du verarmst auch hier. Einladungen deiner Kumpels lehnst du zunehmend ab, weil du keine Alimentation mehr haben möchtest und so ist es nur eine Frage der Zeit bis du nicht mehr zum Golfen oder Tennisspielen angerufen wirst.

Irgend wann hast du die Situation angenommen, akzeptiert und fängst an sie auch zu verarbeiten. Jetzt kommt der schwierigste Teil. Möglicherweise hat der Verlust deines Unternehmens, deines Privatvermögens, deiner Beziehung und deiner Sozialkontakte auch dazu geführt, dass dein Selbstbewusstsein einen Totalschaden erlitten hat. Du glaubst möglicherweise du wärest der Dümmste unter Gottes Himmel.

Hinzu kommt noch eine gewisse Stigmatisierung, die du gesellschaftlich und in deinem Umfeld plötzlich wahrnimmst. Du hast das Gefühlt in die Schublade der Stümper, Geächteten und Verlierer gesteckt zu werden. Bekanntlich bestimmen Gedanken das Handeln. Und schon hast du Recht und dein Selbstbewusstsein ist mittlerweile auf dem Schrottplatz angekommen. Aus deinem verbeulten Chassis wieder eine glänzende, strahlende Karosserie zu machen, wird etwas Zeit in Anspruch nehmen.

An der Stelle tröstet vielleicht der Gedanke, dass es in den USA quasi zum guten Ton gehört mindestens einmal gescheitert zu sein. Der derzeitige Präsident der USA hat mit seinen Unternehmen schon sechs Insolvenzen hingelegt. In der Bundesrepublik werden Unternehmenspleiten als Makel und als Inkompetenz angesehen. In Deutschland macht man sich über denjenigen, der am Boden liegt, her und stigmatisiert ihn. Hierzulande ist es undenkbar, dass ein Unternehmer in der Politik Karriere macht, der mehrmals eine Firmenpleite erlebt hat. Eine andere Betrachtungsweise herrscht dagegen in den USA. Dort wird jemand, der nicht schon mal gegen die Wand gefahren ist, nicht als waschechter Unternehmer angesehen. Hier gilt das Prinzip“Hinfallen, aufstehen, Krone richten“.

Die Fortsetzung folgt in Kürze.

Ich wünsche Dir wundervolle Impulse für die nächsten 7 Tage.
Bleibe inspiriert.

Holger

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