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Gleichberechtigung – nur ein Traum im Job?

Gleichberechtigung – nur ein Traum im Job?

Wochen-Impulse 31/2019

Vor Gott und deutschen Gesetzen sind Mann und Frau gleich. Antidiskriminierungs– und Gleichstellungs-Gesetz unterstützen die vom Grundgesetz festgeschriebene Gleichberechtigung. Dennoch berichten die Medien immer wieder von Ungleichheit im Job und bei der Bezahlung. Droht bei aller Gleichberechtigung eine Gleichmacherei?

Im Parlament, bei den Parteien und in DAX-Unternehmen gibt es nicht nur einen Gleichstellungsbeauftragten sondern auch noch eine Frauen-Quote. Ist das der Feminismus des 21. Jahrhunderts? Haben Frauen im letzten Jahrhundert dafür gekämpft, dass sie heute über eine Quote Gleichberechtigung erfahren?

„In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ zum 40. Geburtstag der Frauenzeitschrift „Emma“ sagte die Herausgeberin Alice Schwarzer: „Strukturelle Maßnahmen zur Förderung von Frauen sind leider noch notwendig – denn sie werden ja auch strukturell benachteiligt.“ Allerdings halte sie die Frauenquote für zweischneidig: „Die Quote kommt übrigens nicht von uns Feministinnen, sondern von den Politikerinnen. Was ich verstehe: Die wussten sich in ihren Männerparteien irgendwann nicht mehr anders zu helfen.“1

Durch meine männliche Brille betrachtet, würde ich mich nicht über einen Quoten-Job freuen. Entweder bin ich gut und damit besser als meine Marktbegleiter, dann bekomme ich den Job. In anderen Fall sollte ich mich verbessern, um im nächsten Anlauf auf dem obersten Treppchen zu stehen.

Haben wir in Deutschland eine zu verkrampfte Einstellung zu Unterschieden? Warum muss immer alles gleich sein? Bei den Schultypen haben wir die sozialdemokratische Gleichmacherei mit der weitestgehenden Abschaffung der klassischen Hauptschule schon hinter uns – mit allen Folgen in der Berufswelt. Mit Elitenförderung scheinen sich nicht nur Politiker schwer zu tun und bei den Hochschulabschlüssen haben wir uns vom guten alten Diplom verabschieden, damit wir europäisch vergleichbar sind.

„Im Jahr 2018 blieb der allgemeine Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern – also der unbereinigte Gender Pay Gap – im Vergleich zum Vorjahr unverändert. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anlässlich des Equal Pay Day am 18.3. anhand fortgeschriebener Ergebnisse der Verdienststrukturerhebung mitteilt, verdienten Frauen mit einem durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von 17,09 Euro 21 % weniger als Männer (21,60 Euro).

Rund drei Viertel des Verdienstunterschieds zwischen Männern und Frauen sind, wie oben beschrieben, strukturbedingt. Das verbleibende Viertel des Verdienstunterschieds entspricht dem bereinigten Gender Pay Gap. Demnach verdienten Arbeitnehmerinnen im Durchschnitt auch unter der Voraussetzung vergleichbarer Tätigkeit und äquivalenter Qualifikation im Jahr 2014 pro Stunde 6 % weniger als Männer.“2

Wo liegt das Problem beim regelmäßig medial und politisch aufgegriffenen Gender-Pay-Gab? Warum dürfen Männer und Frauen bei gleichem Job nicht unterschiedlich viel verdienen? Es ist doch auch nicht so, dass alle Männer für den gleichen Job gleich viel verdienen, selbst in der gleichen Firma nicht. Verhandle ich nicht gut, traue ich mich nicht mehr zu verlangen oder bin einfach nur schlecht auf die Gehaltsverhandlung vorbereitet, bekomme ich möglicherweise weniger Gehalt als mein Kollege. Das ist doch meine Schuld und nicht die des Arbeitgebers. Im Idealfall habe ich etwas gelernt und kann beim nächsten Mal das Gespräch besser führen. Die Verantwortung liegt bei mir, nur hier.

Darüber hinaus wird es keine zwei identischen Kandidaten geben, die von der schulischen Beurteilung über Ausbildung oder Studium bis hin zu den ersten beruflichen Erfahrungen und ihren Soft, wie Hard Skills absolut gleiche Voraussetzungen mitbringen. Sie sind ähnlich, sie sind vergleichbar und sie mögen damit auf einem „identischen“ Qualifikations-Niveau sein. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Darüber hinaus wird jeder, selbst in sehr strukturierten Berufen, wie der Buchhaltung, einen individuellen Arbeitsstil haben. Der eine arbeitet schnell und strukturiert, der andere langsam und chaotisch. Bei beiden können die Ergebnisse identisch sein, denn können diese Unterschiede durchaus zu einer differenten Beurteilung und damit zu einem unterschiedlichen Gehalt führen.

Wir haben einen Mindestlohn, wir haben Tarifverträge, wir haben unternehmenseigene Einkommensstufen. Wie weit wollen wir noch staatlicherseits unser Miteinander regeln? Warum durch noch mehr Gesetze den Menschen noch mehr Eigenverantwortung abnehmen? Die deutsche Vollkasko-Mentalität enthebt den Einzelnen sich selber verantwortlich zu fühlen. Das kann nicht gut sein.

Foto Webseite Uni Koblenz Landau

Die Uni Koblenz Landau bietet am Campus Koblenz einen Women Career Service an. Das ist ein zielgruppen-orientiertes Angebot, welches sicherlich von den Studentinnen gerne angenommen wird, weil auf ihre individuellen Bedürfnisse die Services abgestimmt sind. Zwei Aspekte empfinde ich als verwunderlich: Zum einen gibt es ein vergleichbares Angebot nicht für Männer3. Warum nicht? Benötigen Studenten keine Kariere- und Bewerbungsberatung? Zum anderen werden nur weibliche Berater für den Frauen-Karriere-Service eingesetzt. Sind Frauen bei Frauen die besseren Coaches? Fehlt Männern die notwendige Empathie bei der Beratung von Frauen? Warum gibt es keine Männerquote?

Ist das schon Diskriminierung? Juristen könnten sich sicherlich hierüber streiten. Ich empfinde beide Beispiele als etwas unglücklich, jedoch legitim. Die zuständigen Entscheider an der Hochschule hatten sicherlich gute für diese Entscheidung, die auch auf den zweiten Blick nicht wirklich nachvollziehbar ist. Der männliche Teil der Studenten könnte sich beschweren oder demonstrieren, was wohl nicht passiert ist. Daraus ließe sich konstatieren, dass es faktisch keinen Bedarf für einen maskulin geprägten Career Service gibt.

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Ich halte von der Gleichberechtigung und der damit verbunden Antidiskriminierung sehr viel. Es ist ein großes Glück, dass wir in Deutschland diese gesetzlich gesicherten Freiheiten genießen dürfen. Was ich nicht mag ist unsinnige Gleichmacherei. Jeder Mensch ist einzigartig und damit haben wir automatisch wundervolle Unterschiede, denen wir im privaten, schulischen und beruflichen Alltag Rechnung tragen sollten. Hier wünsche ich mir von der Politik mehr Vertrauen in die Bürger was ihr Selbstbewusstsein und ihre Durchsetzungsstärke betrifft. Der Staat darf aus meiner festen Überzeugung nicht alles regeln, damit mehr Verantwortung bei uns allen bleibt.

Brauchen wir noch mehr Gesetze, um Gleichberechtigung im Arbeitsleben durchzusetzen? Brauchen wir Vorschriften oder Gesetze zur Behebung des 6% Gender-Pay-Gaps? Lieben Frauen, fühlt ihr euch im Job diskriminiert? Wollt ihr im Job eine Fauen-Quote haben und damit Quotenfauen sein?

Wundervolle Impulse für die nächsten 7 Tage.

Bleibe inspiriert.

Holger

1Quelle: https://02elf.net/headlines/panorama/frauenrechtlerin-alice-schwarzer-haelt-frauenquote-fuer-zweischneidig-965211

2Quelle: Pressemitteilung Nr. 098 des Statistischen Bundesamts vom 14.3.2019

3Suchfunktion der Uni, Eingabe: Karriereservice für Männer. Ergebnis 4.979 Artikel, aber kein Karriere-Service im klassischen Sinn. https://www.uni-koblenz-landau.de/search?SearchableText=karriereservice+f%C3%BCr+m%C3%A4nner&facet=true&facet.field=portal_type&facet.field=review_state

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