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Ethik und Moral sind was für Waschlappen. Das sind VW-Manager definitiv nicht.

Ethik und Moral sind was für Waschlappen. Das sind VW-Manager definitiv nicht.

Wochen-Impulse 19/2019

Ethik stammt von dem griechischen Wort „ēthos“ ab. Übersetzt bedeutet dies soviel wie Charakter. Moral dahingegen stammt aus dem Lateinischen. Das lateinische Wort „Mos“ bedeutet übersetzt Sitte.1 Ausgehend vom jeweiligen Wortstamm könnte man den durchgesetzten Boni-Anspruch und seine tatsächliche Zahlung2 an die VW Vorstände sowie die Genehmigung durch deren Kontrollgremium als sitten- und charakterlose bezeichnen.

Ist das für Aufsichtsrat und Vorstand des größten Automobilbauers der Welt zutreffend? Ist es moralisch vertretbar einen Bonus anzunehmen obwohl das Unternehmen in einen Skandal verwickelt, der wirtschaftliche Schaden durch geschätzte 80 Milliarden noch nicht absehbar ist und das Image beschädigt wurde?

Je nach Sichtweise werden die Einen der Aussage zustimmen, die Anderen diese negieren. Einer der erfolgreichsten internationalen Personalberater der Bundesrepublik hat hierzu eine sehr klare und differenzierte Meinung. „Nun gibt es Leute, die zitieren das Vorstandsvergütungsgesetz. Vertragstreue sei die Grundlage des Abendlandes: Pacta sunt servanda. Und wenn der Bonus im Vertrag steht, dann muss er auch bezahlt werden. Anderen Mitarbeitern werde das Gehalt ja auch nicht zusammengestrichen nur weil es dem Unternehmen gerade schlecht geht. Basta. Zwar könne der Aufsichtsrat die Vorstandsvergütung einseitig kürzen, wenn sie nicht mehr angemessen sei, […] Schließlich haftet der Aufsichtsrat für unangemessene Vorstandsvergütung und zwar persönlich. Sollte sich im Nachhinein herausstellen, dass die Bonuszahlungen im Hinblick auf die Situation in Wolfsburg völlig abwegig waren, werden nämlich nicht zuletzt die Aktionärsvertreter das Kontrollorgan auf Schadensersatz verklagen.“

In seinem Beitrag für das Manager Magazin schreibt er weiter: „Andere wiederum argumentieren, dass die Mehrheit des Vorstandes ja noch gar nicht lange im VW-Steuerstand stehe und daher auch nicht für die Fehler der Vorgänger verantwortlich gemacht werden könne. Das allerdings stimmt so nur halb, denn der neue VW-Boss Matthias Müller beispielsweise saß zuvor als Chef der Tochtergesellschaft Porsche Börsen-Chart zeigen auch im Konzernvorstand in Wolfsburg. Und Einkaufschef Francisco Javier Garcia Sanz, Audi-Chef Rupert Stadler und China-Vorstand Jochem Heinzmann sind auch alle noch da. Knapp die Hälfte der Führungsriege ist also keineswegs „neu“. Quelle: Heiner Thorborg, https://www.manager-magazin.de/

Aus meiner Sicht fehlen den ehemaligen und aktuellen Vorständen sowie dem Aufsichtsrat, u.a. vertreten durch das Land Niedersachsen, also einem Volksvertreter, die Bodenhaftung. Mir stellt sich die Frage, ob Gier, ein verklärtes Realitätsbild oder einfach nur ein anderer Wertekanon die handelnden Personen antreibt. Massentauglich ist das Normensystem in Wolfsburg sicherlich nicht. Abgehoben und fern der eigenen Arbeitnehmerschaft sowie der bundesdeutschen Bevölkerung wird in einem eigenen Mikrokosmos gelebt und entschieden. Verantwortung ja, aber nicht, wenn es an die das schon dicke eigene Portemonnaie geht.

Das Land Niedersachsen hat durch seine 20,2 prozentige Beteiligung an der Volkswagen AG eine Sperrminorität und könnte im Aufsichtsrat von seinem Vetorecht Gebrauch machen. Der Ministerpräsident und der Wirtschaftsminister, beide im Aufsichtsrat, sind vielleicht der immer noch vergleichsweise hohen Ausschüttung von rund 300 Millionen Euro erlegen, um zumindest hörbar den moralischen Zeigefinger zu heben. Auch die niedersächsische Politik bewegt sich damit im gleichen fragwürdigen moralischen Mikrokosmos wie ihr großer Finanzier Volkswagen.3

Sollte es ein bundesweit einheitliches Normensystem für Vorstände geben, welches Bestandteil des Vorstandsvergütungsgesetzes ist? Brauchen wir eine Werte-Diskussion?

1Zur Verdeutlichung noch die Abgrenzung zwischen den Begriffen Ethik und Moral, die im Alltag oft als Synonyme verwendet werden. Ethik beschäftigt sich mit der Theorie der Moral. Während die Ethik die Wissenschaft der Moral darstellt, ist letztere eher die praktische Anwendung. Unter einer Moral versteht man also ein Normensystem, das versucht, richtiges Handeln zu beschreiben und somit auch für alle gültig sein soll.

Ich wünsche Dir wundervolle Impulse für die nächsten 7 Tage.
Bleibe inspiriert.

Holger

1Zur Verdeutlichung noch die Abgrenzung zwischen den Begriffen Ethik und Moral, die im Alltag oft als Synonyme verwendet werden. Ethik beschäftigt sich mit der Theorie der Moral. Während die Ethik die Wissenschaft der Moral darstellt, ist letztere eher die praktische Anwendung. Unter einer Moral versteht man also ein Normensystem, das versucht, richtiges Handeln zu beschreiben und somit auch für alle gültig sein soll.

2„Aktuelle und ehemalige TopManager von VW erhalten insgesamt gut vier Millionen
Euro Erfolgs-Boni, die im Jahr 2016 im Zuge des Abgasskandals auf Eis gelegt worden waren.“ Quelle: 02.05.2019 NDR

3Mehr zu der Verflechtung zwischen Politik und Volkswagen im Handelsblatt

Das könnte dich interessieren. 23. Mai 2019, IHK zu Köln, Impuls-Workshop „Mit Werten Werte schaffen.“ Informiere dich und buche noch heute.

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