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Was bedeutet Karriere?

Was bedeutet Karriere?

Einfach Karriere – Wochen-Impulse 73/ 2020

Im beruflichen Kontext verstehen wir unter Karriere überwiegend den hierarchischen Aufstieg innerhalb eines Unternehmens und damit den (dauerhaften) Weg nach oben im Laufe des Berufslebens. Ist diese Sichtweise nicht zu kurz gedacht? Setzt diese Definition nicht Teile der Arbeitnehmerschaft unnötig unter Druck? Suggerieren wir mit dieser Definition nicht automatisch eine gedankliche Zwangsjacke?

Ähnlich habe ich das noch während des Studiums gesehen. Spätestens als ich Abteilungsleiter ohne disziplinarische Personalverantwortung war, wurde mein Karriere-Modell auf eine erste Belastungsprobe gestellt. Führungskraft ohne Mannschaft, aber mit hohem Gehalt und Bonizahlungen. Es wurde auch nicht besser als ich mich selbständig machte. Die Bewunderung in der Stimme und der Glanz in den Augen meines näheren Umfeldes als sie hörten, dass ich nun auf eigene Rechnung arbeiteten würde, spiegelte sich nicht in meiner Gefühlslage zu dieser frühen Zeiten meiner Selbständigkeit wieder. Mein von außen vorgegebenes Karriere-Muster, was ich unreflektiert übernommen hatte, stimmte nicht mit meiner wahrgenommen Realität überein. Mir kam das Ganze doch sehr ambivalent vor.

Dieses Missverhältnis zwischen der vordergründigen kommunizierten Karriere-Definition und der wahren, weil persönlichen, individuellen Sichtweise ist heute in meinen Beratungen ein elementarer Aspekt. Insbesondere in Veränderungs-Prozessen ist es wichtig die eigenen Glaubenssätze ebenso zu hinterfragen, wie die persönlichen Bedürfnisse und Ziele. Nach wie vor ist es spannend zu sehen, wie Führungskräfte der unterschiedlichen Ebenen und motivierte Mitarbeiter anfangen über ihr Verständnis von Karriere zu sinnieren.

Hygienefaktoren und Motivatoren nach Herzbergs Zwei-Faktoren-Theorie (in Anlehnung an Herzberg, 1986)

Karriere ist das, was du dafür hältst.

Einige kommen für sich zu der Erkenntnis, dass sie auch dann Karriere gemacht haben, wenn sich als Experte vertikal bewegt oder gar ausserhalb der Linien in Projekten oder Stabsstellen bewiesen haben. Auch Angestellte ohne Personal- oder Projekt-Verantwortung können natürlich ihren beruflichen Werdegang als Karriere bezeichnen. Mehr Verantwortung, mehr Gehalt, mehr Personal, mehr Selbstverwirklichung und vielleicht auch mehr Anerkennung ist nicht automatisch für jeden Karriere. Ein Mehr von allem macht darüber hinaus auch nicht nachhaltig glücklich – zahlreiche Studien1 belegen das. Frederick Herzberg nennt das in seiner Zwei-Faktoren-Theorie den Hygienefaktor, der Unzufriedenheit verhindert, gleichzeitig aber auch Zufriedenheit nicht erzeugt.

Die gesellschaftliche Karriere-Prägung sorgt durchaus für den einen oder anderen Selbstzweifel und gedanklichen Stolperstein in Veränderungs-Prozessen. Diese Entstaubung der persönlichen Karriere-Planung ist für die weitere Weichenstellung elementar. Das tief verinnerlichte Empfinden was Karriere für mich ausmacht, ist sie auch.

„Was bedeutet Karriere für dich?“, „Was macht Karriere für dich aus?“ frage ich jeden meiner Coachées im Rahmen der Selbstrefelxion. Dieses Mosaiksteinchen wird in Laufe des Prozesses mit anderen Mosaiken ein klares, scharfes Bild geben.

Wundervolle Impulse für die nächste Woche.

Bleibe inspiriert.

Holger

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1Vgl. Herzberg, Mausner, & Snyderman, 1959, House & Wigdor, 1967 und House & Wigdor, 1967 sowie Credé, Chernyshenko, Bagraim, & Sully 2009

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