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Mut oder Hochmut?

Mut oder Hochmut?

Einfach Karriere – Wochen-Impulse 74/ 2020

Mut gilt als eine der Fähigkeiten, die Führungskräfte und Unternehmenslenker, insbesondere in unruhigen wirtschaftlichen Zeiten, haben sollten. Was wird in der Unternehmenswelt als mutig empfunden und wann wird hieraus Übermut? Was hat die persönliche Komfortzone mit Mut zu tun und wie passen diese gegensätzlichen Zustandbeschreibungen zusammen?

Der Duden hält zwei Bedeutungen für die Definition von Mut parat: „Fähigkeit, in einer gefährlichen, riskanten Situation seine Angst zu überwinden; Furchtlosigkeit angesichts einer Situation, in der man Angst haben könnte.“ und „[grundsätzliche] Bereitschaft, angesichts zu erwartender Nachteile etwas zu tun, was man für richtig hält.“ Die US-amerikanischen Forscherinnen Cynthia L. S. Pury und Shane J. Lopez definieren Mut als „das Handeln in Richtung eines moralisch lohnenden Ziels, trotz Risiko, Angst und Unsicherheit“.1

Mutlose Führungskräfte

Was mutig ist oder als solches empfunden wird steht scheinbar in Verbindung mit Risiko und Angst. Alle drei Empfindungen unterliegen eher einer subjektiven, als einer objektiven Beurteilung des Einzelnen, wodurch die Bandbreite für dieses Gefühlt entsprechend groß sein dürfte. Der Eine findet es mutig, wenn sein Kollege vor einer größeren Gruppe eine Präsentation hält, während für denjenigen der Auftritt normal und damit nicht mit Mut verbunden ist. Er wiederum empfindet jedoch das Freeclimbing seines Kollegen als ausgesprochen mutig und riskant.

Eine repräsentative Umfrage des DFK2 (Verband für Fach- und Führungskräfte) für den Harvard Business Manager zum Thema Mut im Management hat ergeben, dass eine große Mehrheit (rund 85%) dies als Kernkompetenz ansieht und damit als quasi zwingend notwendig erachtet. Die gleiche Gruppe merkt jedoch auch kritisch an, dass im Tagesgeschäft der „Raum, Neues zu entwickeln“ fehlt (29% sagten sie hätten die Möglichkeit, 43% gaben an ihnen fehlten diese). Vielleicht fehlt einfach der Mut etwas zu ändern und das Risiko des Scheiterns, wie den inneren Scheinehund, immer im Gepäck zu haben.

„Laut der Financial Times Skills Gap Survey 2018 sagen fast die Hälfte der befragten Arbeitgeber, dass sie zunehmend Schwierigkeiten haben, Führungskräfte mit den richtigen Fähigkeiten zu finden. […] Veränderungen sind unverzichtbar, erfordern aber Mut. Daher brauchen Unternehmen Führungskräfte, die keine Angst davor haben, Dinge anders zu machen und etwas anzupacken – auch gegen Widerstände.“3

Mut ist erlernbar

Der ehemalige Skispringer und Gewinner der Vierschanzen-Tournee Sven Hannawald (44) hält Mut für erlernbar, weil jeder im Laufe der Zeit lernen kann Risiken einzuschätzen und sich zunehmend größere Ziele zu setzen. Als Skispringer beginnt jeder erst mit kleinen Hügeln, dann mit kleinen Schanzen, die zunehmend größer werden, um schließlich von den TV-bekannten Groß-Schanzen zu springen. Durch dieses stetige erlernen von Risikoeinschätzung und den damit einhergehenden Erfolgen entsteht Mut sowie persönliches Wachstum.

Eine reflektierte, abwägende Risikobetrachtung ist Mut, den Führungskräfte insbesondere in unruhigen Phasen dringend benötigen. Gegen den Strom zu schwimmen mitunter eine gute Lösung, um Veränderungen herbei zu führen. Übermut oder Hochmut entsteht durch Selbstüberschätzung und mangelnde Refexion der Risikolage. Die Grenzen hier zwischen sind verschwimmend.

Wer aus seiner Komfortzone nicht heraus kommt und lieber alles so läßt, wie es ist, wird in Veränderungsprozessen wahrscheinlich schmerzhaft auf die Nase fallen. In meinen Beratungen erlebe ich es regelmäßig, dass meine Kunden kognitiv die anstehenden Veränderungen wahrnehmen, aber für sich als nicht zutreffend verleugnen. Der Schritt in eine neue, unbekannte beruflich Zukunft ist natürlich mit Risiken und auch Ängsten verbunden. Mut hilft diese Situationen positiv anzunehmen und umzusetzen.

Mutlose Entscheidungen oder keine.

„Ein Autorenteam von Die Welt hat einen interessanten Beitrag4 über stromlinienförmige Führungskräfte in deutschen Unternehmen verfasst und damit durchaus für ein großes Fragezeichen hinter den regelmäßig geforderten Soft Skills gesorgt. Warum die vermeintliche Teamfähigkeit oft einhergeht mit maximaler Unauffälligkeit, erklärt das allerdings nicht.

„Ecken und Kanten können Karrierebarrieren sein“ sagt der frühere Ergo-Vorstand und Selfmade-Millionär Harald Christ. Gleichförmigkeit sei daher oft der Garant für berufliches Fortkommen. Und Personalberater seien noch dazu häufig Teil des Systems, weil sie allzu oft nur „stromlinienförmige Lebensläufe vermitteln“. […] Ein Berater, der sich in den ersten und zweiten Führungsetagen der deutschen Großkonzerne auskennt, erzählt: „Ich treffe wöchentlich neue Manager aus den unterschiedlichsten Firmen. Aber von denen bleibt mir in acht Wochen vielleicht einer in lebhafter Erinnerung.“ Der Rest? „Ist graues Mittelmaß.“ […] In guten Zeiten sei die Austauschbarkeit des Führungspersonals kein Problem, sagt der Ex-Manager Christ. „In Krisenzeiten zeigt sich jedoch, dass viele überfordert sind, weil es Individualismus und andere Fähigkeiten braucht, um ein Unternehmen durch die raue See
zu steuern.“5

Es bedarf für jeden Einzelnen, für eine Führungskraft und auch für den Unternehmenslenker mutiger Entscheidungen seinen eigenen Weg zu gehen. Insbesondere gegen Widerstände und, wenn anderen davon abraten. Wer Veränderung und Entwicklung haben möchte, benötigt diese Standfestigkeit.

„Einen Versuch wagen und dabei scheitern bringt zumindest einen Gewinn an Wissen und Erfahrung. Nichts riskieren dagegen heißt einen nicht abschätzbaren Verlust auf sich nehmen – den Verlust des Gewinns, den das Wagnis möglicherweise eingebracht hätte.“6

Wundervolle Impulse für die nächste Woche.

Bleibe inspiriert.

Holger

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1 Quelle: Harvard Business Manager, Spezial 2020, Mut, Seite 45

2 Quelle: DFK-Studie Mut deutscher Führungskräfte, Juli 2019

4 Quelle: „Leute, die anecken, kommen nicht mehr hoch“ von Jon Dams, Nikolaus Doll, Inga Michels, Karsten Seibel, Welt am Sonntag, 01.10.2018

5 Quelle: Bewerben ist wie Flirten. Einfach. Holger Lüttgen, Köln 2019

6 Zitat: Chester Barnard

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