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Kommunikation bei Konflikten und in der Krise

Kommunikation bei Konflikten und in der Krise

Einfach Karriere – Wochen-Impulse 66/ 2020

Demokratie lebt vom Meinungsstreit. Wer derzeit in den Sozialen Medien unterwegs ist, denkt eher an die Diktatur des Stärkeren, des Dümmeren oder des politisch Faktischen.

Das hat mit Meinungsstreit nichts zu tun, auch, wenn das manche Wort-Akrobaten meinen. Wo gibt es ihn noch? Streit, wo bist Du?

Gestritten wird leider nicht. Es findet eher eine wüste Beschimpfung, eine Beleidigung bis hin zur Verunglimpfung statt. Dies alles scheint über das Recht auf Meinungsfreiheit geschützt zu sein, entbehrt jedoch jeglicher Form von respektvollem Streitgespräch. Streiten ist im Deutschen oftmals negativ belegt. Vielleicht folgert daher ein Teil der anonymen “Diskutanten”, dass es um verbales Schlagen und Abgretschen geht.

Die Gedanken sind frei.1 Und das gesprochene Wort?

Jens Lehmann, der ehemalige Nationaltorhüter, ist in den zurückliegenden Wochen gleich zwei Mal medial abgewatscht worden. Ausfällige, beleidigende und diskriminierende Bemerkungen wurden ins Netz gestellt. Seine Aussagen zur Corona-Krise sind in zwei Artikeln in der FAZ2 nachzulesen. Sicherlich muss man die Meinung von Herrn Lehmann nicht teilen. Dennoch ist sie es wert sachlich diskutiert zu werden. Nicht immer einfach.

Selbst Redakteure vergessen mitunter ihre Neutralität und legen in ihre Texte eine persönliche Wertung: „Der frühere Nationaltorwart Jens Lehmann polarisierte schon früher.“3

Der Duden beschreibt einen Streit als „heftiges Sichauseinandersetzen, Zanken [mit einem persönlichen Gegner] in oft erregten Erörterungen, hitzigen Wortwechseln, oft auch in Handgreiflichkeiten“. Das Streitgespräch kommt gemäß Duden ohne diese Handgreiflichkeiten aus; hier geht alles schon etwas gemäßigter, zivilisierter zu: „längeres, kontrovers geführtes Gespräch; Diskussion um ein strittiges Thema.

Wo zwei und mehr Menschen zusammen sind und über ein Thema kontovers diskutieren, kann es schon mal laut werden. Solange es um die Sache geht und es nicht persönlich wird, kann ein Streitgespräch durchaus befruchtend sein. Meinungen werden ausgetauscht, überdacht, gefästigt oder verworfen. In jedem Fall entsteht Energie für Neues und damit für Entwicklung. Das ist gut.

Sachebene vs. Beziehungsebene

Wird die Sachebene verlassen, wird es persönlich (Beziehungsebene) und damit häufig verletzend. Das passiert im Job, wie im Privaten. In den Sozialen Medien ist diese Art des Meinungs-Austausches aus der Deckung der Anonymität leider Normalität. Sobald das Streithema die Schwelle zur Beziehungsebene überschreitet, teilt der Sender dem Empfänger direkt oder indirekt mit, wie er zu ihm steht und was er von ihm hält. Die Beziehung zueinander wird öffenbart. Das Vier-Seiten-Modelle der Kommunikation von Friedemann Schulz von Thun sowie das Eisberg-Modell von Sigmund Freud verdeutlichen wo die Herausforderung bei einem Disput liegen. Im unbewußten Teil meiner Kommunikation, bewege ich mich schnell auf dünnem Eis, weil über Gefühle, Emotionen und Triebe die Ratio verloren geht. Der Frontalangriff erfolgt auf der Beziehungsebene – oftmals verletzend, unsachlich und beleidigend.

Warum diskutieren viele Menschen bewußt oder unbewußt nicht auf der Sachebene? Liegt es an der fehlenden Übung? An unzureichenden sachlichen Argumenten? Oder ist es einfacher jemanden Mundtod zu bekommen, indem Beleidigungen und Verletzungen gesendet werden? Geht es dann überhaupt noch um das Thema, die Sache? Wahrscheinlich spielen andere Motive eine Rolle.

Stress sorgt für verbrannte Kommunikation

Der stern berichtet in seiner Ausgabe vom 16. April 2020, dass Menschen unter Stress anders reagieren. Für viele ist Home Office, Home Schooling, Kinder- und Partner-Betreuung eine ungewohnte Herkulesaufgabe. Das Ganze noch eingefasst in weitere Einschränkungen der Bewegungs- und Versammlungs-Freiheit sorgt für verbale und körperliche Ausfälle. „Werte und Sprache verändert sich. Selbst ein sonst liebevoller Partner kann plötzlich harsch und ungeduldig reagieren. […] Und wenn zwei Menschen mit unterschiedlichen Stressmustern aufeinandertreffen, bricht die Kommunikation oft völlig zusammen, das kann gewaltig krachen.“4

Fühle ich mich kommunikativ in die Ecke getrieben, hole ich zum Rundumschlag aus. Der trifft schnell unter die Gürtellinie und haut nieder. Vielleicht im Job oder im Privaten „nachvollziehbar“ ohne damit entschuldbar zu sein. Aber in den Sozialen Medien, wo sich die Menschen nicht persönlich kennen?

Veränderte (Gruppen-)Normen enthemmen die Kommentierenden

Der Tagesspiegel5 hat in seiner Online-Ausgabe vom 10.11.2019 gefragt was „die Ursachen für die Wahrnehmung von mehr Hass und aggressiver Sprache in sozialen Medien sein“ könnten?

„Veränderte Kommunikationsbedingungen und veränderte (Gruppen-)Normen enthemmen die Kommentierenden. Das führt zu mehr inziviler Kommunikation. In der Diskussion über die Ursachen wird häufig die Anonymität und die Unsichtbarkeit der Diskussionsteilnehmer:innen genannt. Die Diskutierenden können nicht wahrnehmen, wie jemand schaut, welche Gesten er macht oder wie seine Stimme klingt. Es fehlen also wesentliche soziale Hinweisreize dazu, wie etwas gemeint ist und was das Gegenüber empfindet. Bestimmte Absichten oder Persönlichkeitsmerkmale wie eine Neigung zu Sadismus oder verbaler Aggression können ebenfalls dazu beitragen, dass die Kommunikation verroht.“5

Mein Fazit

Was ich nicht übe, werde ich nicht erlernen. Was mir nicht wichtig ist, will ich nicht erlernen. Und, wenn ich mal ein Gefühl der Stärke und Überlegenheit haben möchte, schlage ich verbal gerne mal zu, auch in den Schambereich.

Meinungsstreit ist in der Demokratie das Salz an der Suppe. Ich darf (!) verbal streiten, jedoch unter Beachtung der klassischen Regeln der Höflichkeit. Damit schließt sich die Art der kontoversen Diskussion aus, die vorgenannt oftmals in den Sozialen Medien Platz genommen hat.

Die Streitkultur erlebt dann wieder eine neue Blüte.

Wundervolle Impulse für die nächste Woche.

Bleibe inspiriert und gesund.

Holger

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1 „Der Text wurde 1780 zum ersten Mal auf anonymen Flugblättern veröffentlicht. Etwa dreißig Jahre später entstand die Melodie dazu. 1842 wurde das Lied von Hoffmann von Fallersleben in seiner Sammlung “Schlesische Volkslieder” veröffentlicht.“ Quelle: BR, 06.01.2016, https://www.br-klassik.de/programm/sendungen-a-z/mittagsmusik/mittagsmusik-extra-volkslieder-198.html

4 Quelle: stern 16.04.2020, Seite 98

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