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Ethisches Unternehmertum. Geht nicht oder nur nicht gewollt?

Ethisches Unternehmertum. Geht nicht oder nur nicht gewollt?

Einfach Karriere – Wochen-Impulse 67/ 2020

Allein die 160 börsennotierten Konzerne im Dax, MDax und SDax planen derzeit, zusammen rund 44 Milliarden Gewinn an ihre Anteilseigner auszuschütten. Damit alleine könnte man ein Drittel des Nachtragshaushaltes bezahlen, den der Bund gerade beschlossen hat. Um, beispielsweise, diese Unternehmen zu retten“ schreibt Frauke Hunfeld im stern.1

Die gleichen Konzerne schicken ihre Mitarbeiter auf Kosten der Steuerzahlen in die Kurzarbeit und beantragen staatliche Unterstützung. Formaljuristisch sicherlich in Ordnung, aber gesellschaftlich akzeptabel? Die Solidargemeinschaft zur Kasse zu bitten, wenn es Reserven gibt, besser gesagt, wenn es Dividenden gibt, die anderweitig verwendet werden könnten, ist zu mindest fragwürdig. Die Ausschüttungen beziehen sich auf die Erfolge der Vergangenheit und sind somit auszuzahlen. Es sei denn die Mehrheit der Anteilseigner beschließt auf der Hauptversammlung den Verzicht und eine andersartige Verwendung.

Dividende zahlen und Kurzarbeitergeld kassieren. Ethisch korrekt?

Ethisches Unternehmertum, insbesondere bei großen multinationalen Aktiengesellschaften, ist nicht immer einfach, wie die Corona-Krise zeigt. Die vorgenannte stern-Autorin macht am Beispiel BMW eine Rechnung auf, die zunächst ihre Wirkung nicht verfehlt. Ein zweiter Blick lohnt sich vor einer vorschnellen Verurteilung der Vorstände und Eigentümer-Familie. Der Stein des Anstosses sind rund 20.000 Beschäftigte, die in Kurzarbeit geschickt wurden und den Staat bis zu einer halben Milliarden Euro kosten kann. Auf der anderen Seite werden Dividenden in Höhe von 1,64 Milliarden Euro an die Aktionäre ausgeschüttet, davon nahezu 800 Millionen an die Familie Quandt.2

Es mutet in der Tat zunächst befremdlich an, dass der Staat über die Bundesagentur für Arbeit die Löhne übernehmen soll und auf der anderen Seite Gewinne an Anteilseigner über die Dividenden ausgeschüttet werden. Diese Summen würden rechnerisch zunächst reichen, um ohne staatliche Hilfen auszukommen. Die Frage ist jedoch, ob es aktienrechtlich gestattet wäre die Gelder umzuverteilen? Natürlich könnte die Familie Quandt auf ihre Dividende verzichten. Müßten dann Kleinanleger auch auf ihre Ausschüttung verzichten? Beides wäre ethisch lobenswert und würde medial sicherlich positiv begleitet werden. Aber warum sollte sie das tun? Weil sie (die Quandts) vermögend sind und damit ein Zeichen setzen könnten? Vielleicht ja.

Was könnten BMW und andere aktiennotierte Unternehmen in dieser Situation anders machen? Sie könnten sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst werden und auf der Hauptversammlung den Eigentümern den Verzicht auf eine Dividenden-Ausschüttung vorschlagen. Wird dieser positiv votiert, könnten diese Gelder in Gehälter investiert werden. Damit würden die Vorstände aus der möglicherweise empfundenen Profitmaximierung herauskommen und einen ethischen Anstrich erhalten. In der derzeitigen Situation, in der der Staat an seine Grenzen kommt, hätte ein entsprechendes Verhalten sicherlich Signalwirkung mit nachhaltigen Auswirkungen auf die Zeit nach Corona.

Was macht ethisches Unternehmertum aus?

Ist es mehr Verantwortung für Menschen und Ressourcen zu übernehmen? Ist es die Verabschiedung von der reinen Profitmaximierung? Ist es die Wende von einer reinen Wachstums- zu einer Nachhaltigkeits-Ökonomie? Welchen Nutzen liefert ethisches Unternehmensführung?

Unternehmensethik trägt im Idealfall zur Bewältigung der verschiedenen Formen von Konflikten bei. Korruption, Kinderarbeit, Börsenmanipulation, Bilanzverschleierung, Lustreisen, illegale Waffengeschäfte, um nur einige Beispiele zu nennen, werden unterbunden. Betroffene Unternehmen können ein Lied von den negativen Folgen singen; der Imageschaden durch diese Wirtschaftsskandale ist erheblich. Es bedarf eines großen zeitlichen und monetären Aufwands um diesen zu reparieren. Der Sexskandal bei der ERGO-Versicherung3, die Lustreisen-Affäre bei VW4 oder der Korruptions-Skandal bei Siemens5 lassen grüßen.

Bei kritischen Bürgern setzt sich zunehmend der Eindruck durch, dass in der Wirtschaft das Primat hemmungs- und massloser Gewinnsucht und Erfolgsgier herrscht. „Die in breiten Bevölkerungskreisen wachsende Einsicht, dass blosses quantitatives Wirtschaftswachstum immer weniger mit der Steigerung unserer Lebensqualität deckungsgleich ist, ja immer fragwürdigere Gesamtfolgen erzeugt, und der dementsprechende Bewusstseins- und Wertewandel tragen das ihre zur Sensibilisierung bei.“6

Wirtschaftliches Handeln wird oft im Konflikt zu moralischem Handeln wahrgenommen. Dieses unternehmerische Spannungsverhältnis existiert nur, wenn Gewinnmaximierung das oberste Kredo ist. Warum, wenn man sich die negativen wirtschaftlichen Folgen ansieht? Wertschöpfung kann nicht nur, sie entsteht durch eine ethische Unternehmenskultur. Vorausgesetzt die Leitbilder hängen nicht nur an der Wand und ziehren die Webseite, sondern werden Top down gelebt.

Ethisch motivierte Führung ist kostensenkend.

„Eine Untersuchung des US-amerikanischen Meinungsforschungsinstituts Gallup hatte schon 2005 festgestellt, dass 73 Prozent der Mitarbeiter bei ethischer Führung einen optimalen Arbeitseinsatz zeigen, bei unethischer, rein funktionaler Führung, waren es nur 10 Prozent. Spaß an der Arbeit haben bei guter Führung 84 Prozent, bei schlechter nur 14 Prozent. Der durchschnittliche Krankenstand belegt, dass schlechte Führung teuer ist: Elf Tage sind Mitarbeiter im Durchschnitt krank, wenn sie unethisch geführt werden, bei ethisch motivierter Führung sind es nur fünf Tage. Ethik ist also auch bilanzwirksam.“7

In Krisenzeiten, wie diesen, sollten wir alle erkannt haben, wie dünn das Eis unter uns sein kann und was passiert, wenn es bricht. Ein neues Denken sollte mehrheitlich bei den Unternehmen, respektive ihren Vorständen, Geschäftsführern und Führungskräften einsetzen. Jetzt ist eine gute Zeit, um Altes über Bord zu werfen und Platz für Neues zu haben.

Bleibe inspiriert und gesund.

Holger

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1 Quelle: stern, Ausgabe 16.04.2020, Seite 31

2 vgl. stern, Ausgabe 16.04.2020, Seite 31

6 Quelle: Ethik und ErfolgUnternehmensethische Denkmuster von Führungskräften – eine empirische Studie, Peter Ulrich Ulrich Thielemann, Verlag Paul Haupt Bern und Stuttgart 1992, Seite 11

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