+49. 221. 399 399 0
news @ der-impulsgeber. org

Coaching als Heilsversprechen?

Coaching als Heilsversprechen?

Wochen-Impulse 57/2020

Die Trainer- und Coaching-Branche boomt. Gut für die Einen, schlecht für die Anderen. Zumindest, wenn man Heilsversprechen erwartet, aber nur laue Luft bekommt. Die WELT an Sonntag schreibt in ihrer Ausgabe vom 16.02.2020 „zigtausende zahlende Kunden hoffen erfolgreicher, besser zu werden – doch einige zerbrechen daran“.

In einer Welt, die sich immer schneller zu drehen scheint, in der die einzige Konstante die Veränderung ist, wird es für Jung und Alt zunehmend zu einer Herausforderung dieses Tempo und diesen Rhythmus mitgehen zu können.

Abstellgleis oder Hochgeschwindigkeits-Strecke?

Halt, Orientierung und Unterstützung suchen zunehmend mehr Menschen beim Coaching, in der Beratung oder durch Großveranstaltungen, die Persönlichkeitsentwicklung und Motivation versprechen. Durch den ständigen Wandel sind wir zunehmend mehr gefordert flexibel, anpassungsfähig und veränderungsbereit zu sein. Das bedingt eine nahezu fortwährende Weiterentwicklung meiner Persönlichkeit, um den Anforderungen des Marktes gerecht zu werden. Wer das nicht schafft, bleibt möglicherweise auf der Strecke und gerät auf das Abstellgleis. Das kann Druck, Stress und körperliche Symptome verursachen.

Hier kommen nun Coaches und Persönlichkeits-Trainer ins Spiel. Der gute alte Duden schreibt als Synonym für Coaching: Betreuung, Förderung. Wikipedia beschreibt die Bedeutung so: “Im Unterschied zur klassischen Beratung werden keine direkten Lösungsvorschläge durch den Coach geliefert, sondern die Entwicklung eigener Lösungen wird begleitet. Coaching bezeichnet strukturierte Gespräche zwischen einem Coach und einem Coachee (Klienten) […]. Die Ziele dieser Gespräche reichen von der Einschätzung und Entwicklung persönlicher Kompetenzen und Perspektiven über Anregungen zur Selbstreflexion bis hin zur Überwindung von Konflikten mit Mitarbeitern, Kollegen oder Vorgesetzten. Dabei fungiert der Coach als neutraler, kritischer Gesprächspartner […].”1

Guru oder Coach?

Fußballtrainer wollen, wie einst Jürgen Klinsmann bei Bayern München, ihre Spieler jeden Tag ein bischen besser machen. Jürgen Klopp gilt als großer Motivator und Jupp Heynkes als Menschenversteher. In der Zunft der Coaches und Personaltrainer gibt es auch die Garde der Motivatoren und Persönlichkeitsverbesserer. Wie überall gibt es gute und weniger gute, seriöse und weniger seriöse. Warum soll ich nicht zu einer Großveranstaltung pilgern und mir Impulse holen und aus dem kollektiven Zaubertrank Kraft schöpfen. Die Fragen sind doch, wie reflektiert mache ich das und was bringt es mir nachhaltig? Einen richtigen Veränderungsprozess kann ich für mich nicht mit weiteren x-tausend Menschen durchlaufen, vielleicht anstossen, mehr aber auch nicht. Im Einzel-Coaching gelingt das aus meiner mehr als 20-jährigen Erfahrung gut und vertrauensvoll.

Kunden kommen zu mir, weil sie eine Entwicklung ihrer Persönlichkeit und eine Begleitung im Veränderungsprozess wünschen. Basis für das gemeinsame Coaching ist die Eigenmotivation und der tatsächliche Wunsch auf Veränderung und Entwicklung meiner Coachées. Der Prozess kann erfahrungsgemäss nur auf Basis einer vertrauensvollen Zusammenarbeit gedeihen und mit einem Höchstmaß an intrensischer Motivation.

Motivations-Elixier – von innen oder aussen?

Warum ich nichts von extrinsischer Motivation halte, verdeutlicht die nachfolgende Anekdote aus meinem Erfahrungsschatz. Vor rund 15 Jahren habe ich einen Motivations- & Persönlichkeits-Trainer-Kollegen kennengelernt, der sich auf Outdoor-Trainings spezialisiert hat. Er hat mich zu einem Schnupper-Wochenende bei ihm in Österreich eingeladen, um danach zu prüfen, ob ich bei ihm eine Zusatzausbildung in diesem Bereich machen wollte. Gesagt getan. Ich machte manigfaltige Erfahrungen, u.a. am „Marterpfahl“, einem 8 bis 10 Meter hohem Baumstamm, der am oberen Ende von einem Holzteller abgeschlossen wird. Dreifach gesichert bestand die Aufgabe darin diesen Stamm zu erklimmen, sich auf den „Teller“ zu schwingen, aufzurichten und eine gefühlte Ewigkeit auf dem schwankenden Baumstamm stehen zu bleiben, um sich dann um 180 Grad zu drehen und herunter zu springen. Die Herausforderung ist der fehlende Halt beim Betreten des Tellers, das Aufstellen beider Füße sowie das ruhige Aufrichten ohne dabei den Pfahl zu sehr in Schwankungen zu versetzen.

Alles geschafft und gesund auf festem Boden durchströmten mich Endorphine, Adrenalin und viel Begeisterung. Ähnlich erging es den anderen Teilnehmern.

Ähnlich spektakulär war die Verbiegung eines 10 mm dicken, rund 2 Meter langen Moniereisens, welches an der Kehle, in der kleinen Vertiefung angesetzt wird. Zwei Partner stehen sich mit diesem Eisen gegenüber, unterstützen dieses nur durch eine Hand vor dem Herabfallen und laufen dann auf Komando aufeinander zu. Weder habe ich als Spieß mit durchborter Kehle geendet, noch mich sonst verletzt, vielmehr verbog sich das Metall leicht wie Butter. Es geht. Wie, weiss ich nicht. Aus der Stange habe ich ein Bild (s. links) geschaffen, was mein Arbeitszimmer ziert.

Nach dem Wochenend war ich inspiriert, motiviert und beseelt die Ausbildung zum Motivations-Coach zu machen. Es folgten noch drei Wochenenden in Österreich. Immer das Gleiche. Vor Ort schweben alle auf eine endorphin- und adrenalin-geschwängerten Wolke, Zuhause angekommen verflog diese binnen weniger Tage. Danach schreit der Körper förmlich nach Nachschub. Das erging nicht nur mir so, sondern auch anderen Teilnehmern oder Trainer-Kollegen, die ich befragte, weil mir das Ganze doch etwas spanisch vorkam.

Don´t stop thinking!

Für mich war das der Punkt, an dem ich diese von aussen kommende Motivation erstmalig hinterfragte. Was bringt es mir, wenn ich am Wochenende wie ein Michelin-Männchen aufgepummt werde und spätestens mittwochs mich wie ein schlaffer Luftballon fühle? Meine Erkenntnis: Diese Form der Motivation bringt mir nichts, meinem Kollegen jedoch viel Geld. Das hat etwas von Droge und Abhängigkeit.

Meine Entscheidung: Ich habe meine Vortbildung zum Motivations-Trainer abgebrochen. Seit dieser Erfahrung lehne ich extrinsischen Motivation in dieser Form ab, weil sie nicht nachhaltig ist. Gleiches gilt im übrigen für monetäre Anreize im Vertrieb. Dies verpuffen schneller als das sie gezahlt werden.

Was motiviert dich? Brauchst du einen Motivator, damit du dich bewegst? Was passiert, wenn er nicht zur Verfügung steht?

Wundervolle Impulse für die nächste Woche.

Bleibe inspiriert.

Holger

Das könnte Dich noch interessieren!

Das Buch zum Workshop – für alle, die sich zeitgemäß und erfolgreich bewerben wollen. “Bewerben ist wie Flirten. Einfach.” auch als eBook.

1 Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Coaching

Wenn Du wöchentlich Impulse, immer sonntags, frisch auf den Tisch erhalten möchtest, trage Dich für den Impuls-Letter ein.