Change. Transformation. Veränderung. Was denn nun?

Felix´s Impulse 110/ 2022

Wer Veränderung im Unternehmen möchte oder braucht, wird Brücken bauen müssen, um die Mitarbeiter mitzunehmen. Das ist nicht immer leicht. Sowohl das Mitnehmen, als auch die Brücke zu bauen. Personalumbau oder -abbau, Einführung einer neuen Software, Zusammenführung von unterschiedlichen Anwendungen zu einer gemeinsamen oder gar das Verschmelzen von unterschiedlichen Unternehmenskulturen können echte Herkulesaufgaben sein.

In Veränderungsprozessen kann es sinnvoll sein mit externen Beratern zusammen zu arbeiten. Nicht weil die Geschäftsleitung diesen nicht mit den Führungskräften alleine stemmen könnte, sondern, weil ein Externer ohne Scheuklappen, Unvoreingenommen und mit weniger Emotionen an das Thema heran geht. Von wem auch immer der Prozess gesteuert wird, die handelnden Personen werden Brücken bauen, den Mitarbeitern die Hand reichen und sie zu neuen Ufern begleiten müssen. Im bekannten Lied der DDR-Kultband Karat wird von 7 Brücken gesprochen über man gehen muss, um zum „hellen Schein“ zu kommen. So viele sind es in der Praxis glücklicherweise nicht, aber unterschiedliche Phasen, wie im Lied beschrieben, werden die Mitarbeiter, je nach Persönlichkeit, durchlaufen, wenn sie mitziehen möchten. Das kann schon emotional schmerzhaft sein.

„Manchmal scheint die Uhr des Lebens still zu steh’n,
manchmal scheint man immer nur im Kreis zu geh’n,
manchmal ist man wie vom Fernweh krank,
manchmal sitzt man still auf einer Bank.

Manchmal greift man nach der ganzen Welt,
manchmal meint man, daß der Glücksstern fällt,
manchmal nimmt man, wo man lieber gibt,
manchmal haßt man das, was man doch liebt.

Über Sieben Brücken mußt Du geh’n,
Sieben dunkle Jahre überstehn,
Sieben Mal wirst Du die Asche sein,
Aber einmal auch der helle Schein.“1

Brücken bauen

In einem Projekt zur Teamentwicklung habe ich mit einem Team die Metapher umgesetzt. Eine tragfähige Brücken, nur aus Papier mit Klebstoff, ohne weitere Hilfsmittel, zu konzipieren und zu bauen fördert den Teamgedanken, zeigt aber gleichzeitig auch schonungslos auf, wer der Leader ist, wer sich zurück zieht und wer sich wie einbringt. Eine anschließende Feedbackrunde ist für alle erhellend. Diese Kreativübung kann gewinnbringend eingesetzt werden, weil sich notwendige, unterschiedliche Typen eines Teams deutlich identifizieren lassen und Aufgaben im Anschluss typenspezifischer verteilt werden können. Das fördert eine optimale und produktive Teamarbeit. Ohne „Bastelstunde“ lässt sich das auch mittels Reiss Motivation Profile erarbeiten.

Warum viele Menschen Angst oder zumindest ein gewisses Unbehagen bei Veränderungen verspüren, habe ich in meinem Impuls-Beitrag 107/ 2022 erläutert. Wer gerne seinen üblichen Trott, das sichere und bekannte Umfeld haben möchte, dem helfen auch die Worte von Mahatma Gandhi „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünscht für diese Welt“ nicht wirklich. Es wird schlicht keine Veränderung gewünscht.

Wer seine qualifizierten, guten sowie mit reichlich Erfahrung versehenen Mitarbeiter ins Boot holen möchte, benötigt eine Mannschaft aus internen und externen Experten, die vor allem gut zuhören können. Sprich mit den Menschen (einzeln) und du bekommst ehrliche Antworten (Vertrauen vorausgesetzt). Was sind ihre Sorge, Nöte, Ängste und Bedürfnisse? Auf das Gehörte lässt sich aufbauen und, um im Bild zu bleiben, ein Fundament für das Haus der Veränderung bauen.

Aus meiner Erfahrung hilft uneingeschränkte Offenheit, Transparenz und vertrauensvolle Kommunikation der Geschäftsleitung samt Führungskräften vom ersten Tag der Veränderung an.

Schiff der Emotionen

Da nicht alle auf die gleiche Art abgeholt werden können, bedarf es eines Konzeptes für die angestrebte „gemeinsame“ Veränderung. Eingeschlossen die liebevolle Verabschiedung derjenigen, die sich nicht zu neuen Ufern aufmachen möchten. Wie so häufig bietet Antoine de Saint-Exupéry eine Lösung: “Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Menschen zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Menschen die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer.

In Projekten erlebe ich es immer wieder, dass Führungskräfte und Geschäftsleitung gerne mit englischen (Fach-) Begriffen um sich werfen. Ja es zeugt von sprachlicher und vielleicht auch von fachlicher Bildung, aber mal ganz ehrlich, ist das notwendig? Wenn ich mich nur im Marketing bewege, mit Marketing-Leuten, alles in Ordnung. Das Marketing-Deutsch ist in vielen Bereichen geprägt von englischen Worten. Bei einer bunt gemischten Gruppe, vor allem, wenn es um Veränderungsprozesse geht, kann es förderlich sein nicht noch einen sprachlichen Graben auszuheben. Das Mitnehmen beginnt mit dem Verstehen.

Wir staunen über die Schönheit eines Schmetterlings, aber erkennen die Veränderungen so selten an, durch die er gehen musste, um so schön zu werden.“ (Maya Angelou) Veränderung ist ein natürlicher Prozess, der täglich bei uns und in der Natur stattfindet. Nehmen wir ihn an und erkennen, dass etwas sehr schönes entstehen kann.

Wundervolle Impulse für die nächste Woche.

Bleibe inspiriert.

Holger

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1 Quelle: 1978 von der DDR-Rockband Karat veröffentlichtes Lied, https://www.youtube.com/watch?v=JBb_A2GkD8M