Angst vor Veränderungen – Kopfkino mit Gefahrenpotential.

Felix´s Impulse 107/ 2022

Veränderungen werden von vielen Menschen als unangenehm bis hin zu angstvoll empfunden. In meinen Beratungen erlebe ich das regelmäßig. Das Unternehmen möchte in Zukunft ohne meine Kunden auskommen. Erste Reaktionen sind oftmals Unverständnis, Enttäuschung und Wut. Später folgen je nach Persönlichkeit von Verdrängung, über diverse Ängste, nicht Loslassen können bis hin zu positiver Verarbeitung alles in der Achterbahn der Emotionen. In meinem Blogbeitrag Die 5-Zimmer-der-Veränderung habe ich dieses emotionale Chaos ausführlich beschrieben.

Unser Leben ist Veränderung. Nur nehmen wir es im Alltag meistens nicht bewusst war. Aus der Froschperspektive wird eine Vogelperspektive, aus Tele- wird Weitwinkel, aus Krabbeln wird Gehen. Nach Schule kommt Ausbildung und Job. Alles normal, alles Veränderung. Eine süße Veränderung: Aus Raider wurde Twix – wer weiß das noch? Der Schokoriegel hat vorher wie nachher geschmeckt. Bei den Meisten dürften diese Dinge ohne bleibende Narben abgelaufen sein.

Schwierig werden Veränderungen, wenn sie plötzlich, unerwartet und unfreiwillig auf uns einprasseln. Wohlgemerkt die negativen. Über einen Lottogewinn würde sich jeder freuen, über eine Entlassung oder die Diagnose einer tödlichen Krankheit, eher weniger.

Veränderungen gehen häufig mit Ängsten einher. Das Unbekannt macht, typabhängig, Angst vor Verlust der Existenz und/ oder dem sozialen Standing sowie des Jobs. Diese Gefühle gehen Hand in Hand und erscheinen in Wechselwirkung, gerne auch noch mit Versagensängsten. Dadurch wirken sie riesig und unüberwindbar.

Der Blick in eine ungewisse Zukunft lässt ein Kopfkino ablaufen, wodurch Denkbares real erscheint. Damit werden unsere „grauen Zellen“ temporär abgeschaltet und rationales Denken ist nicht mehr möglich. Unser Stressverarbeitungssystem kann nicht unterscheiden, „ob eine vom Hirn ausgelöste Reaktion auf einer echten oder einer eingebildeten Bedrohung beruht. Das gefährdet unsere Gesundheit, weil wir damit eine ständige Alarmbereitschaft aufrechterhalten.“1

Aus Zeiten, als uns noch ein Säbelzahntiger jagte, wir in Höhlen lebten, hat unser Körper einen sinnvollen Flucht-Kampf-Modus installiert. Heute jagt uns – zumindest in weiten Teilen der Welt – höchsten noch eine Maus oder Spinne. Dennoch funktioniert unser Körper wie zu Höhlenzeiten. Angst sorgt für erhöhte Stresshormonausschüttung, die bestimmte Bereiche im Gehirn blockiert. Wir können dann nicht mehr denken, wir wollen nur weglaufen oder werden aggressiv. Der Volksmund nennt diese Phänomen gerne „Angst frisst Hirn“.

In Stress- und Angstsituationen kommt es zu einer hochdosierten Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin wodurch kurzfristig die Energiebereitstellung erhöht wird. Das zeigt sich in einer beschleunigten Herztätigkeit, Erhöhung des Blutdrucks und verstärkten Durchblutung der Muskulatur. Denkvorgänge werden unterdrückt bzw. blockiert. Das ist der Grund, warum es in Prüfungssituationen bei einigen Menschen zu Denkblockaden kommen kann, bei der auch sicheres Wissen plötzlich wie weggefegt ist. Nicht abgebaute Angst wirkt lange nach und der Körper kann nicht zu seinem normalen Gleichgewicht zurück finden.

Wenn wir gelassen mit auftauchenden Emotionen und negativen Gedanken umgehen, uns Zeit zum Analysieren sowie Reagieren nehmen, hemmt dieses Verarbeiten die im Gehirn vorprogrammierten automatischen Reaktionen. Der Umgang mit Ängsten und Stress ist erlernbar. Die Krankenkassen bieten eine Fülle an Kursen zum Thema Achtsamkeit an – von Yoga über autogenem Training bis hin zu Atemübungen.

Veränderungen machen gedankliche Beweglichkeit notwendig. Bei zu langer gefühlten Sicherheit und Konstanz liegt genau hier eine große Herausforderung für die in Veränderung gestoßenen Menschen. Bequemlichkeit, Genügsamkeit, abnehmende Neugierde und ausreichender beruflicher Erfolg sorgen für mehr als nur Schockstarre, wenn unerwartet der scheinbar sichere Job plötzlich wegfällt. Wer Angst, in dieser neuen, ungewohnten Situation, hat, muss viel Energie aufbringen, um den Motor wieder auf Touren zu bringen.

Erlangen wir die Kontrolle über unsere Ängste, bekommen wir unser Leben auch wieder in den Griff. Angesichts der Weltwirtschaftskrise und des drohenden Weltkriegs sagte Präsident Franklin D. Roosevelt: „Wir haben nichts zu befürchten außer der Furcht“.

Überprüfe doch mal welche Ängste dich belasten und Einfluss auf dein Leben nehmen? Was ist es, was dich in Deckung gehen lässt? Kennst du die Ursachen dieser Ängste? Sind sie begründet? Wie würde es dir ohne diese gehen?

Wundervolle Impulse für die nächste Woche.

Bleibe inspiriert.

Holger

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Quellen: http://www.medizinfo.de/kopfundseele/angst/reaktionskette.shtml, 09.02.2022, https://www.es-ist-angst.de/angst-und-gehirn/, 09.02.2022, https://www.tk.de/techniker/magazin/life-balance/stress-bewaeltigen/gehirn-hormone-stress-2006900?tkcm=ab

1 Bruce H. Lipton, Intelligente Zellen. Wie Erfahrungen unsere Gene steuern. Aktualisierte und erweiterte Neuauflage 2019